2017 "Martin Schmitt"  in der Aula der Heinz Barth Schule




In 2017 präsentierte KultArt mit Martin Schmitt einen sprachgewaltigen Kabarettisten, einen großartigen Pianisten, Liedermacher, Pantomimen und einen sympathischen Entertainer. Martin Schmitt ist mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und national und international sowie in Funk und Fernsehen präsent.
Das Publikum erlebte eine abwechslungsreiche Mischung aus Blues, Boogie-Woogie, eigenen bayrischen Songs und Gedichten als lyrisches Schmiermittel zwischen den Programmpunkten.
Seine Texte – humoristisch, ironisch, hintergründig, ernst – waren so bunt wie das Leben, seine pianistische Spieltechnik grandios und nahe am Limit des Möglichen.

Mehr zu Martin Schmitt finden Sie auf seiner Homepage www.martinschmitt.de

Unsere Gäste trafen wieder die gewohnt ansprechende KultArt-Atmosphäre an: Saaldekoration, Bühnenbild, Kulinarisches und ein angenehmes Ambiente bildeten den idealen Rahmen für einen ganz besonderen Kleinkunstabend.

2015 Übergabe von "Capoeira" von Uwe Lindau an die
         Stadt Karlsruhe zum 300. Stadtgeburtstag

Einführungsrede von Sebastian Baden

KultArt Wettersbach e.V. stiftet Uwe Lindaus „Capoeira“ zum Stadtgeburtstag

Es ist mir eine große Freude, heute mit Ihnen zusammen die Skulptur „Capoeira“ von Uwe Lindau
feierlich einzuweihen. Das Werk wurde von dem Künstler im Auftrag des Vereins KultArt Wettersbach
e.V. geschaffen und steht nun hier, zwischen Palmbach und Grünwettersbach, als zweite Station des
Skulpturenparks, dessen Beginn die Skulptur „Zwei Vögel“ von Georg Schalla weiter oben im Park
markiert. Mit dem heutigen Festakt zur Übergabe der Skulptur von Uwe Lindau an die Stadt Karlsruhe
anlässlich des 300. Stadtgeburtstags bestätigt KultArt e.V. erneut seine Rolle, die bildenden Künste nicht
nur zu fördern, sondern ihnen einen sichtbaren Platz im öffentlichen Leben zu verschaffen.
Wiemeine Vorredner, Herr Dr. Hans-Ulrich Bittighofer, Vorsitzender von KultArt und Herr Wolfram
Jäger, Erster Bürgermeister von Karlsruhe, bereits erwähnten, hat Uwe Lindau für sein Werk einen
auffälligen Titel ausgesucht. „Capoeira“ heißt die Skulptur nun, die unter dem Arbeitstitel
„Rabauken“ begonnen wurde. Nicht von ungefähr hat Lindau diesen neuen Titel gewählt, denn er trifft
unsere heutige internationale Sprache genau und meint eine besondere Form der kulturellen Aneignung.
Capoeira, so wird eine in Brasilien zur Kolonialzeit entwickelte Kampfkunst genannt, die
Selbstverteidigung mit Akrobatik und explosiven dynamischen Tanzbewegungen verknüpft. Seit den
1970er Jahren ist der Capoeiratanz Zeichen eines kulturellen Selbstbewusstseins, das exportfähig gemacht
und globalisiert wurde. Umgekehrt lässt sich auch sagen, Uwe Lindau hat sich den Begriff Capoeira als
Metapher angeeignet, um die in seinem Werk angelegte Dynamik zu verstärken. Dass Capoeira ein
besonders von jungen Menschen ausgeübter Sport ist, vergleichbar mit Breakdance, Ringen oder Jiu Jitsu,
macht die Verbindung nur umso spannender. Die Kulturwissenschaft spricht in solchen Fällen
transkultureller Übernahme von kultureller „Kannibalisierung“1: Man verleibt sich Begriffe, Stile, Gesten
oder Ideen des sogenannten ‚Anderen’ ein, um sie eigenständig zu transformieren und weiterzuverwenden.
Die alte Bedeutung geht dabei nicht verloren, sondern klingt im Neuen mit.
Wir sehen bei Lindaus Skulptur die kräftigen weißen Linien, mit Korken gemalt, und die blau-weißen
Streifen auf den seitlichen Schnittkanten des Werkes. Capoeira hat seine Wurzeln im afrikanischen
„Zebratanz“. Die Streifen der Skulptur rekurrieren auf das Zebra und damit auf den Ursprung des Tanzes.
Um nun auch dem Capoeira-Tanz zu entsprechen, müssen sich alle Anwesenden bitte die folgenden drei
Elemente vergegenwärtigen: den Kampf, die Musik und die „Roda“. Letztere ist der Kreis der
Anwesenden um die beiden Capoeira-Kämpfer, die von Musik begleitet werden. So spielt also Uwe
Lindau auch auf die Performance der Kampfkunst an. Nicht nur die in alle vier Himmelsrichtungen
weisenden Flügel von „Capoeira“, auch deren notwendige Umrundung durch die Betrachter gehört zur
Komplettierung des Kunstwerkes. Wie schon bei barocken Plastiken eine allansichtige Betrachtung
verlangt war, so hat Uwe Lindau sein Werk für eine dynamische Ansicht von allen Seiten angelegt.
Die Konzeption der Arbeit beruht auf einer Steckfigur aus zwei sich überkreuzenden Elementen, diese
ergeben die vier Ansichtsseiten des Werkes. Lindaus früheste Formulierung der Idee zeigt eine kleine
„Rabaukenplastik“ aus dem Jahr 1984, die sich in einer Karlsruher Privatsammlung befindet. Original
bemalte Varianten dieser Holzplastik, die als Vorläufer der neuen großformatigen Skulptur angesehen
werden können, wurden von KultArt e.V. zur Finanzierung des Großprojekts bereits im März diesen
Jahres bei einer Ausstellung im Atelier 46 in Wettersbach zum Kauf angeboten. Als Freund und Nachbar
von Uwe Lindau – sein Atelier befindet sich in der Karlsruher Roonstraße, ich
arbeite im Fachbereich Kunstwissenschaft der Staatlichen Hochschule für Gestaltung ganz in seiner Nähe
– durfte ich gelegentlich einen Blick auf den Produktionsprozess von „Capoeira“ erhaschen. Mit viel
Einsatz war Uwe Lindau die letzten Wochen über am Werk, zuletzt musste im ehemaligen Atelier von
Wolf Pehlke, in der großen Halle Hinterm Hauptbahnhof, Platz geschaffen werden, um die Einzelteile
komplett zu überarbeiten, zu montieren, wieder zu zerlegen, zu lackieren, neu zu spachteln und
zusammenzusetzen.
Wer die Werke von Uwe Lindau kennt, der weiß, dass der Künstler gerne das konventionelle Format des
Leinwandbildes verlässt und sich ungewöhnliche Bildträger aneignet, Holzplatten, Schranktüren, Fenster,
Zimmertüren, Bettelemente und ähnliche, ihm geeignet erscheinende Elemente des täglichen Lebens. Für
„Capoeira“ sind nun Aluminiumplatten zum Einsatz gekommen, um der Witterung und dem Zahn der
Zeit zu trotzen. Wie bei Lindaus bisherigen Werken, die seine Bekanntheit ausmachen – zumeist
Zeichnungen, Grafik und Malerei, durchaus auch in größeren oder sogar monumentalen Formaten –
zeugt auch diese jüngste, monumentale Plastik von einem intensiven und langen Überarbeitungsprozess.
Die sichtbaren Spuren der Bearbeitung, die Farbschichten, Überlagerungen, Spachtelspuren, der
Pinselduktus und die kraftvollen Akzentsetzungen der Farbe kennzeichnen den Lindau-Stil, der aus den
zunächst abstrakten Farbflächen seine bekannten Figurationen herausarbeitet. Man kann diese
Charakteristika hier sehr gut wiedererkennen, wenn man die Skulptur umrundet. In leuchtenden
Primärfarben ist sie gestaltet, vor allem in Blau und Gelb, dazu kommen rote und grüne Kontraste,
Farbverläufe und weiß lackierte Höhungen. Sieht man auf der einen Seite mehr zusammenhängende
Farbflächen mit organischen, figürlichen Formen à la Matisse, zeigen sich auf der gegenüberliegenden
Seite der Skulptur die impulsiven und gedrippten Linienmuster als Reminiszenz auf Jackson Pollock.
Lindau mischt die moderne abstrakte Malerei erfrischend neu an, er verpasst ihr sozusagen seine
individuelle Lackschicht.
Mit Ironie und Humor ist Lindau am Werk, das machen schon die Werktitel ersichtlich. In den letzten
Jahren sind einige monumentale Skulpturen entstanden, die auch anlässlich der großen Retrospektive
„Blick in die Verschwörerbude“ im Museum Würth in Künzelsau 2011 zu sehen waren. Seien es
„Diogenes“, „Der Hedonist“, „Salome“, die dreiteiligen Reichsinsignien, Giordano Bruno oder die
„Blutküsser“-Variationen, Uwe Lindau arbeitet gerne mit dem Mythos als thematischem Material und
greift auf berüchtigte Figuren zurück, um deren kulturelle Aktualisierung zu leisten. Dabei betreibt er die
„Renaissance als Kulturtechnik“2, wie der Kunsthistoriker Beat Wyss solche Verfahren der Wiederholung
und Verfremdung nennt.
Mit „Capoeira“ hat Uwe Lindau seine erste Plastik für den öffentlichen Raum geschaffen, die nun als
Geschenk der Wettersbacher zum Karlsruher Stadtgeburtstag überreicht wird. Mit ihren jungen 300
Jahren wird die Stadt Karlsruhe von ihrem älteren Ortsteil beschenkt, und zwar mit einem Werk, dass sich
die Bürger und Sponsoren in Großzügigkeit – freilich mit einem städtischen Zuschuss – leisten. Man
könnte auch sagen, hier wird ein „kultureller Potlatsch“ betrieben, wenn zum Geburtstagsfest ein über die
gewöhnlichen Maßstäbe hinausgehendes Geschenk gemacht wird, das zur Gegengabe herausfordert.
Bedenkt man die aktuelle städtische Kulturpolitik, die ein Grundrecht auf Kultur proklamiert,3 aber
gleichzeitig die kulturellen Biotope trockenzulegen droht, nämlich dort, wo in den Ateliers Hinterm
Hauptbahnhof auch Raum für diese Skulptur von Uwe Lindau vorhanden war, möchte man doch sagen:
Nehmt euch ein Vorbild an den Wettersbacher Bürgern, die hier zusammenlegen und mit „Capoeira“ ein
Signal dafür setzen, dass in Karlsruhe große Kunst Unterstützung findet! Denn wer eine Vision feiern will,
für die der Stadtgründer 1715 den Grundstein legte und Privilegien vergab, der sollte der Kunst noch
mehr Raum geben, und nicht weniger. Also, alles Gute zum Geburtstag, und „Roda“ frei für die Kunst!
Sebastian Baden, Kunstwissenschaftler, HfG Karlsruhe
1)  Frederic Jameson: Postmodernism, or, the Cultural Logic of Late Capitalism,
     London/New York: Verso 1992, S. 18.
2)  Beat Wyss: Renaissance als Kulturtechnik, Hamburg: Philo Fine Arts 2014.
3)  Siehe: die im Rahmen des Karlsruher Kulturkonzepts 2015 erstellte Karlsruher Kulturerklärung, URL:
      http://www.karlsruhe.de/b1/kultur/kulturfoerderung/kulturamt/kulturkonzept/kulturerklaerung.de (zuletzt
      besucht am: 13.09.2015).

Vernissage mit Uwe Lindau
































Hans Bittighofer eröffnet die Ausstellung



Der Künstler Uwe Lindau zusammen mit seinen Werken. 
































Eines der zehn kleinen Kunstwerke



Prof. Axel Heil einer der Organisatoren der Veranstaltung mit einem weiteren Kunstwerk