Lachsalven und jede Menge Zugaben- Der König von Bempflingen

Für viele KultArt-Fans ist es rätselhaft, wie es diesem kleinen Verein mit sehr überschaubaren finanziellen Möglichkeiten von Jahr zu Jahr gelingt, Hochkaräter der Kleinkunstszene nach Grünwettersbach zu bekommen. Wie dem auch sei, es gab zum wiederholten Mal ein ausverkauftes Haus, zumal zahlreiche Gäste gekommen waren, weil sie den Star des Abends aus diversen Fernsehsendungen bereits kannten und ihn nun einmal live genießen wollten.

Der Protagonist hieß dieses Mal Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle, seit Jahren ein bekannter Kabarettist, Comedian, Entertainer von hohem Format. Als Vorsitzender Dr. Hans Bittighofer den Künstler ankündigte und einige Meilensteine seiner Bühnenlaufbahn nannte, gab es freundlichen, erwartungsvollen Beifall. Doch als der „König von Bempflingen“ seine ersten Gags zum Besten gab und dabei erstaunliches Detailwissen über Wettersbacher Eigenheiten verriet, stieg die Dezibelkurve der Publikumsreaktionen bereits deutlich an, was den Künstler zu noch größerem Tempo und zielgenauen Spontanspitzen trieb.

Schnell waren aus dem Publikum einige Mitspieler erkoren, mit denen er während des ganzen Abends seine Späßchen machte, ohne dabei allerdings geschmacklich in niedrige Gefilde abzugleiten. Seine Themen, seine Wortspiele und seine überraschenden Pointen waren mitten aus dem Leben gegriffen; Alltagssituationen, deren skurrile Komponenten hervorragend herausgearbeitet wurden, was im Publikum helles Entzücken erzeugte. Die Politik ließ er weitgehend außen vor, denn das Leben hat auch sonst genug Facetten, um sie satirisch zu verarbeiten.

Wohl hieß sein Programm „Der König von Bempflingen“, doch die Bezüge zu dem schwäbischen Dorf und zu dessen adeligem Oberhaupt konnten während des Abends kaum entdeckt werden. Aber was soll’s – es war auch gar nicht nötig: das kabarettistische Feuerwerk brannte auch so lichterloh! Die Gags und Pointen jagten einander, und so konnte sich Kohlhepp nur mit Mühe bremsen, um dem Publikum eine Pause zu gönnen, um Luft zu holen und um die kulinarischen Köstlichkeiten, die ein über sich hinauswachsendes Küchenteam von KultArt wieder kreiert hatte, zu genießen. Nicht alle Gäste konnten von den feinen Häppchen etwas abbekommen, zu schnell war alles vergriffen. Einige mussten sich damit trösten, dass am Ende des Programms weitere Gourmetüberraschungen warteten.

Nach der Pause ließ es Kohlhepp zunächst etwas verhalten angehen. Als er aber dann weitere Kostproben seiner Elvis-Presley-Parodien zum Besten gab, war kein Halten mehr. Mit einer bemerkenswerten Stimme, mit dem typischen Elvis-Hüftschwung und mit originalgetreuen Seufzern nach Art der Rock-Ikone brachte er die Stimmung zum Überschwappen, und so gab es zwangsläufig überhaupt kein Entrinnen: Zugabe um Zugabe wurde stürmisch gefordert, was der ganzen Aufführung eine gar nicht vorgesehene dritte Halbzeit bescherte. Als dann Dr. Bittighofer auf die Bühne stieg, um dem Künstler herzlich zu danken, nutzte Kohlhepp wiederum völlig intuitiv die Situation und verstrickte den Verdutzten in einen herrlichen Dialog, der dann endlich von den Lachsalven des Publikums beendet wurde.

Kaum jemand aus dem Publikum verließ nach dem Programm die Aula. Die neuen, geschmackvollen und originell dekorierten KultArt-Tischchen voll besetzt, fast überall ein feines Fläschchen Wein darauf, das eine oder andere Süppchen, Hähnchenbrüstchen oder Dreisterne-Roastbeef für den späten Hunger und eine gelöste Stimmung im Raum, so präsentierte sich das Ambiente in der Aula im Kerzenlicht. War es dieses Mal das beste Programm? Oder doch letztes Jahr? Oder vielleicht vorletztes Jahr? Kein Zweifel – wer nicht bei KultArt war, hat in jedem Fall wieder einen wunderbaren Abend versäumt. Man sollte sich vielleicht gleich jetzt den
26. Oktober 2013 vormerken – es wird sich sicher lohnen.